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Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

17.10.2026 | Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

In den letzten beiden Tagen waren die unterschiedlichsten Wolkentypen – angefangen von Nebelfeldern über frontale Bewölkung mit Niederschlag und Schauerwolken bis hin zu hohen Schleierwolken – über Mitteleuropa am Himmel zu sehen. Wolken können aus Wassertröpfchen (Wasserwolken), Eiskristallen (Eiswolken) oder aus einer Mischform aus beiden (Mischwolken) bestehen. Sowohl die Eiskristalle als auch die winzigen Wassertröpfchen erscheinen aufgrund ihrer hohen Albedo als weiß, wenn sie von der Sonne angestrahlt werden. Dabei ist es ganz egal, ob man von unten auf die angestrahlten Wolken blickt oder ob diese vom Weltall aus, z.B. mittels Satelliten, betrachtet werden. Sowohl kleine Schönwetterwolken (tiefe Wasserwolken) als auch Schleierwolken (dünne, hohe Eiswolken) erscheinen weiß. Macht also ein Satellit Aufnahmen von der Wolkenverteilung, kann man allein anhand der Farbe nicht unterscheiden, um welche Wolken es sich handelt. Sind mehrere Wolkentypen gleichzeitig am Himmel und kommen im Winter auch noch Schneeflächen dazu, die ebenfalls weiß aussehen, hat selbst ein erfahrender Meteorologe mitunter Schwierigkeiten, eindeutig Schneeflächen und unterschiedliche Wolkenarten eindeutig zu identifizieren.

Mit der dritten Generation der Meteosat-Satelliten (MTG), die seit Ende 2024 regelmäßige hochaufgelöste Satellitenbilder liefern, gibt es eine komfortable Möglichkeit, unterschiedliche Wolkentypen zu unterscheiden. Dabei ist wichtig, dass die MTG-Satelliten nicht nur im sichtbaren Bereich, sondern zusätzlich in zahlreichen Spektralbereichen des Infraroten Aufnahmen von der Erde machen. Jeder dieser einzelnen Kanäle liefert dem Meteorologen diverse Anwendungsmöglichkeiten. Zudem kann man mehrere Kanäle miteinander kombinieren, z.B. mit der sogenannten „RGB-Bildauswertetechnik“. Dabei werden die Signale von drei verschiedenen Kanälen mit den Farben Rot (R), Grün (G) und Blau (B) eingefärbt. Fügt man die eingefärbten Bilder zu einem mehrfarbigen Bild zusammen, erhält man bunte Bilder – die sogenannten „RGB-Komposits“. Die hierbei entstandenen Mischfarben können nun vom Meteorologen interpretiert werden. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte „Wolkentyp“-Komposit, dessen Nutzen wir anhand zweier Beispiele demonstrieren.

Abb. 1: Echtfarben-Satellitenbild, aufgenommen vom MTG-Satelliten, von Freitag, 16. Oktober 2026, 11 Uhr (mitteleuropäische Zeit). In der oberen Abbildung ist zusätzlich das Niederschlagsradarbild hinzugefügt. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Abbildung 1 zeigt die Wolkenverteilung vom gestrigen Freitagvormittag (16. Oktober) um 11 Uhr (mitteleuropäische Zeit) als Echtfarbenbild, aufgenommen vom MTG-Satelliten. Neben einigen wolkenfreien Regionen waren über Mittel- und Westeuropa einige Wolken am Himmel. Aus manchen Wolken regnete es auch, zu sehen anhand des überlagerten Radarbilds in der oberen Abbildung. Alle Wolken erscheinen weiß, sodass Sie nur schwer erkennen können, dass zu dieser Zeit die unterschiedlichsten Wolkentypen dabei waren.

Abb. 2: Komposit „Wolkentyp“, erstellt mit RGB-Bildauswertetechnik aus drei Kanälen des MTG-Satelliten, von Freitag, 16. Oktober 2026, 11 Uhr (mitteleuropäische Zeit). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Abb. 3: Bedeutung der einzelnen Farben des Komposits „Wolkentyp“. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Schauen Sie sich nun zum gleichen Zeitpunkt das „Wolkentyp“-Komposit an, tritt ein kunterbuntes Abbild der Atmosphäre zu Tage. Die Wolken erscheinen in ganz unterschiedlichen Farben, die jeweils bestimmten Wolkentypen zuzuordnen sind (Abbildung 3). In den Niederungen Bayerns und in Tschechien sind ausgedehnte Nebelfelder als hellblaue Wolken zu erkennen. Zudem ist auf dem ersten Blick zu erkennen, dass sich zusätzlich hochreichende Wolken mit Eis an ihrer Oberkante (orange Wolken) über Baden-Württemberg und Bayern bis nach Ostdeutschland erstreckten. Teils lagen diese über dem Nebel und waren im Echtfarbenbild kaum zu identifizieren. Aus manchen dieser Wolken fielen sogar ein paar Tropfen Regen. Zudem waren hohe dünne Wasserwolken (rosa) über Teilen Deutschlands und über Ostfrankreich unterwegs, ebenso wie tiefe Wasserwolken (hellblau), die sich von Zentralfrankreich bis nach BeNeLux und zur Deutschen Bucht erstreckten. Weiter westlich erkennen Sie ein Band bestehend aus tiefen und mittelhohen Mischwolken (hellgrün), die Vorboten einer Kaltfront. Diese schließt sich noch weiter westlich an mit mehrschichtigen Wolken, zum Teil bestehend aus unterkühlten Wasserpartikeln (weiß).

Abb. 4: Echtfarben-Satellitenbild, aufgenommen vom MTG-Satelliten, von Samstag, 17. Oktober 2026, 11 Uhr (mitteleuropäische Zeit). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Auch am heutigen Samstag (17. Oktober) waren am Vormittag sehr unterschiedliche Wolken am Himmel. Wieder sehen Sie im Echtfarbenbild (Abbildung 4) nur ein riesiges weißes Wolkenfeld, das sich von Zentralfrankreich über Süd- bis nach Ostdeutschland erstreckte. In diesem war die Kaltfront eingebettet, an der es zu Regenfällen kam (siehe überlagertes Radarbild). Im „Wolkentyp“-Komposit (Abbildung 5) können Sie die mehrschichtigen Regenwolken der Front (hellgelb) ohne Mühe von den umgebenden tiefen Wasserwolken (hellblau) unterscheiden. Teile der Regenwolken bestanden aus unterkühlten Wasserwolken (weiß), was unter anderem für Flugmeteorologen eine wichtige Information für die Gefahr von Flugzeugvereisung darstellt. Von Österreich über Tschechien bis nach Polen erstreckten sich hohe Cirruswolken (Schleierwolken), bestehend aus Eiskristallen. Über der Nordsee und der Straße von Dover zwischen Belgien und England strömten aus Norden wabenförmige Kumuluswolken ein. Während diese im Echtfarbenbild überall gleich aussahen, erkennen Sie im „Wolkentyp“-Komposit Unterschiede. Im nördlichen Bereich handelte es sich um tiefe und mittelhohe Mischwolken (grün), während die Wolken im südlichen Bereich hochreichender waren, mit Eis im oberen Bereich der Wolken (gelb). Bei Letzteren handelte es sich um kräftige Schauerwolken, während aus den flacheren Wolken im Norden kaum oder nur geringer Regen fiel.

Abb. 5: Komposit „Wolkentyp“, erstellt mit RGB-Bildauswertetechnik aus drei Kanälen des MTG-Satelliten, von Samstag, 17. Oktober 2026, 11 Uhr (mitteleuropäische Zeit). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Neben dem „Wolkentyp“-Komposit gibt es noch eine ganze Reihe weiterer RGB-Komposits, die sich in der Praxis bewährt haben. Eine Beschreibung dieser würde hier allerdings den Rahmen sprengen.

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